Zivilcourage damals – Zivilcourage heute

Schwerpunktführungen und Studientage in der KZ-Gedenkstätte Dachau

Mitläufer, Zuschauer, Wegschauer …?

In einem Land, wo Verfolgung und Unterdrückung herrschten, wo Täter und Mitläufer, Zuschauer und Wegschauer das Bild bestimmten, schien Zivilcourage erloschen zu sein. Und doch gab es sie: Menschen, die für Demokratie und für die Rechte anderer eintraten; Retter und Helfer, die sich für Verfolgte einsetzten; Häftlinge in Konzentrationslagern, die sich unter extremen Bedingungen Menschlichkeit und Mitmenschlichkeit bewahrten.

Schwerpunktführungen und Studientage zu Zivilcourage damals – Zivilcourage heute zeigen Beispiele solcher Menschen, zeichnen ihre Motive und Handlungsfelder nach und werfen die Frage auf, was Zivilcourage für uns bedeuten mag – und wie wir sie heute leben können.

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Inhalte

Handlungsspielräume - Muss man wirklich müssen?

Handlungsspielräume – Muss man wirklich müssen?
Die Verfolgung, Unterdrückung und Ermordung von Millionen war keine Naturkatastrophe, die „von außen“ über Deutschland gekommen wäre oder nur durch Befehl „von oben“. Auf dem Rundgang durch die Gedenkstätte wird an einer Reihe von Stationen erfahrbar: Menschen hat-ten und haben häufig Handlungsspielräume; sie können sich entscheiden.

  • Es gab nicht Wenige, die sich vor und auch im „Dritten Reich“ für Demokratie und Menschenrechte einsetzten. Sie aber waren nicht nur mit Nationalsozialisten konfrontiert, sondern wurden von der Masse der Gleichgültigen und Passiven in Stich gelassen.
  • Es gab KZ-Häftlinge, die unter Einsatz ihres Lebens Informationen aus dem Lager schmuggelten, ihren Mitgefangenen Medikamente zukommen ließen, sie vor todbringenden Transporten retteten.
  • Es gab SS-Männer, die ihren Handlungsspielraum erkannten und zugunsten von Häftlingen nutzten.
  • Es gab Staatsanwälte, die 1933 Morde im KZ Dachau aufdeckten, deswegen noch im Jahr nach der „Machtergreifung“ ermittelten und immerhin die Ablösung des Kommandanten bewirkten.
  • Es gab selbst in den Kriegsjahren mehrere zehntausend Menschen in Deutschland, die untergetauchte Juden unterstützt und dadurch vielen von ihnen das Überleben ermöglicht haben.

Was fördert Zivilcourage? Was hemmt sie?

Was fördert Zivilcourage? Was hemmt sie?
Angesichts solcher Handlungsspielräume werden sich schon im Laufe der Führung Fragen aufdrängen:

  • Waren die Zivilcouragierten im „Dritten Reich“ Menschen mit besonderen Eigenschaften? Ist Zivilcourage ein Persönlichkeitsmerkmal: man hat es oder man hat es nicht?
  • Warum übersehen wir oft unsere Handlungsspielräume? Warum ignorieren wir in bestimmten Situationen die eigene Verantwortung?
  • Unter welchen Bedingungen greifen wir ein, wenn andere bedroht sind? Wann setzen wir uns für Rechte und Interessen von Mitmenschen ein? Wann stehen wir für eigene Rechte auf?

Vertiefungen

Im Anschluss an die Führung können die Teilnehmer*innen Fragen in einem Seminarraum auf dem Gelände der Gedenkstätte in Gruppenarbeit, mit Hilfe von Filmmaterial, in gemeinsamer Diskussion und Reflexion vertiefen. Je nach Interesse und Zeit zum Beispiel …

  • durch Übungen, in denen es darum geht, zur eigenen Meinung zu stehen, verschiedene Formen von Gewalt wahrzunehmen, für die jeweiligen Opfer zu sensibilisieren usw.;
  • durch Kurzfilme etwa zu Notfall- und Bedrohungssituationen in der Öffentlichkeit, an denen sich Möglichkeiten und Grenzen des eigenen Eingreifens aufzeigen lassen;
  • durch Forschungen aus der Sozialpsychologie zu Gruppendruck, Gehorsam, Deindividuation, Verantwortungsdiffusion usw., die auf „Feinde“ der Zivilcourage in uns selbst aufmerksam machen;
  • durch gemeinsame Diskussionen und Reflexionen, an deren Ende die Frage nach dem eigenen sozialen Mut im Alltag stehen mag: in Schule und am Arbeitsplatz, unter Freunden, in der Öffentlichkeit …

Organisatorisches

Teilnehmer und Vorbereitung

  • Schwerpunktführungen und Studientage „Zivilcourage damals – Zivilcourage heute“ eignen sich für Jugendliche und für Erwachsene. Besondere Vorkenntnisse zur Thematik sind nicht erforderlich.
  • Wenn Sie Interesse haben: Hier finden Sie Hinweise auf einschlägige Literatur und Bildungsmaterialien, darunter auch zum Thema „Konzentrationslager-SS und andere Täter“.
  • Wenn Sie möchten: Ihr Betreuer berät Sie gerne über Möglichkeiten der Vor- und Nachbereitung dieser Thematik.

Ihre Referentin/Ihr Referent

Während Ihres Aufenthaltes in der Gedenkstätte betreut Sie ein/e gedenkstättenpädagogi-sche/r Mitarbeiter/in des Dachauer Forums, die/der sich ergänzend zur allgemeinen Ausbildung für die Gedenkstättenarbeit in einem mehrmonatigen Workshop Täter im Nationalsozialismus inhaltlich und methodisch weitergebildet hat.

Schwerpunktführung: Dauer und Kosten

  • Eine Schwerpunktführung dauert insgesamt ca. 4 Stunden. Davon verbleibt nach Führung und Dokumentarfilm knapp eine Stunde für die abschließenden Vertiefungen.
  • Kosten pro Gruppe mit bis zu 30 Teilnehmern: 110 €
  • Übrigens: Von der Dauer einer Schwerpunktführung und auch eines Studientages (siehe unten) fühlen sich die allermeisten Teilnehmer keineswegs überfordert, so der Tenor zahlreicher Rückmeldungen unterschiedlicher Gruppen. Der authentische Ort, die brisante Thematik, häufige Orts- und Methodenwechsel und die damit verbundenen Pausen bewirken ein anhaltend intensives Lernklima.

Studientag: Dauer und Kosten

  • Ein Studientag dauert insgesamt ca. 7 Stunden, einschließlich einer ca. einstündigen Mittagspause. Dieser Zeitrahmen erlaubt eine eingehendere und vielfältigere Auseinandersetzung mit der Thematik, insbesondere in den abschließenden Vertiefungen.
  • Kosten pro Gruppe (bei maximal 30 Teilnehmenden): 180 €
  • Zur Verpflegung bitte Lunchpakete mitbringen oder nehmen Sie Kontakt auf mit dem Bistro und Cafe im Besucherzentrum der KZ-Gedenkstätte unter www.enzmann-wilhelm-gastronomie.de
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